Test: Rocky Mountain Solo 50 2021

Seit einigen Wochen bin ich Besitzer von einem Rocky Mountain Solo 50 Gravelbike. Diese Art von Fahrrad hat in den letzten Jahren in meinem Fuhrpark gefehlt. Früher jagte ich regelmässig mit Cyclocross-Bikes durch die Wälder und habe Hobbyrennen damit bestritten. Als dann der Wechsel von Cantileverbremsen auf Scheibenbremsen erfolgte, hatte ich mein Velo verkauft.

Eigentlich wollte ich mir gleich wieder eines zulegen, aber damals konnten sich die Hersteller nicht auf einen einheitlichen Achs- und Bremsstandard einigen. Da ich nicht die Katze im Sack kaufen wollte, wartete ich erstmal ab, bis da Klarheit herrschte. Als das geregelt war, konnte ich mich aber nicht für ein Modell entscheiden und schob einen Kauf vor mir her. Die Zeit verging, bis diesen Herbst meine Hausmarke Rocky Mountain das neue Solo 50 in meinen Lieblingsfarben schwarz und blau präsentierte. Da musste ich zugreifen!

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Mein Rocky Mountain Solo 50 custom build.

Die Ausstattung

Das Solo 50 ist solide ausgestattet für den Preis von CHF 2'299.00. Da Rocky Mountain sonst eher im höheren Preissegment angesiedelt ist, bekommt man hier eine ganze Menge für sein Geld. Wem das doch zu teuer ist, für den gibt es auch noch das darunter angesiedelte Solo 30 für CHF 1'899.00.

Herzstück des Solo ist ein 6061 Aluminium-Rahmen, welcher liebevoll verarbeitet ist. Die matte schwarz/blaue Lackierung zieht sich stimmig durch. Asymmetrische Kettenstreben sorgen für mehr Steifigkeit am Hinterbau und sie bieten Platz für bis zu 55 mm breite Reifen. Auch die massive Vollcarbon-Gabel nimmt 55 mm breite Reifen auf und wird von einem integrierten FSA Steuersatz geführt. Für Fans von kleinen Rädern, auch ein 650b x 2.2" Reifen passt rein. Die Achsaufnahmen sind für Naben mit 15x100 mm vorne und 12x142 mm hinten gedacht. Wie für Gravelbikes typisch, gibt es ein Dutzend Ösen, Bohrungen und Löcher, um Gepäckaufnahmen, Schutzbleche, eine versenkbare Sattelstütze und bis zu 5 (!) Flaschenhalter zu montieren.

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Der Rahmen ist liebevoll verarbeitet und schön lackiert.

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Ich fahre 33 mm breite Reifen. Platz hat es aber bis 55 mm.

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Die Vollcarbon-Gabel hat Gewinde für Schutzblech, Gepäck- und Flaschenhalter.

Schaltung und Bremsen bestehen aus einem Mix von Shimano GRX RX400, RX600 und RX800. Es ist ein 1x11 Antrieb verbaut mit einem 40er Kettenblatt und einer 11-42 SLX Kassette. Flatmount-Bremskörper und 160 mm Bremsscheiben sorgen für eine zuverlässige Verzögerung.

Lenker, Vorbau und Sattelstütze sind Rocky Mountain Eigenmarke. Der Sattel ist von WTB. Die Laufräder bestehen aus 21 mm breiten WTB Felgen, Rocky Mountain Naben und rostfreien Stahlspeichen. Auch die Reifen sind von WTB, der Venture ist ein Semislick mit braunen Seitenwänden in Grösse 700x40C.

Ich habe, wie immer, das Bike mit anderen Teilen modifiziert, um meine Sponsoren und eigenen Vorlieben zu berücksichtigen. Vor allem wollte ich aus dem Gravelbike ein schnelles Cyclocross-Bike formen. Da ich kein grosser Campingfan bin, werde ich wahrscheinlich auch nie Bikepacking betreiben. Darum habe ich alle Schrauben für die Gepäckaufnahmen entfernt und durch Gummiplugs ersetzt. Das ist leichter und sieht optisch schöner aus.

Den speziellen Gravellenker und den kurzen Vorbau habe ich ausgetauscht. Ich habe einen klassischen Rennradlenker und einen längeren Vorbau von Zipp verbaut. Die Kassette habe ich ebenfalls gewechselt auf eine leichtere und kleinere 11-40 XT. Bremsscheiben und Bremsbeläge kommen von SwissStop. Der Sattel ist ein fi'zi:k Tundra, diesen haben ich auf allen meinen Bikes montiert.

Der Laufradsatz ist mit 2'200 Gramm bleischwer... Wer noch ein bisschen Budget übrig hat, kann mit einem hochwertigeren Radsatz locker 500 Gramm einsparen. Ich habe mich deshalb für einen Easton EA 70 SL entschieden. Mittelpreisige Alu-Räder, die aber mit 1750 Gramm fast ein halbes Kilo leichter sind als die Originalen. Bei den Reifen wollte ich mehr Grip und habe den Pirelli Cinturato Cross in 33 mm Breite gewählt. Zusätzlich habe ich die Räder auf Tubeless umgerüstet.

Das Gewicht vom Solo 50 in Grösse Medium beträgt aus der Schachtel 10,4 kg. Meine modifizierte Ausführung wiegt fahrfertig mit Pedalen 9,5 kg!

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Die Shimano GRX 1x11 Schaltung und meine 11-40 XT Kassette.

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Der GRX Bremshebel hat eine angenehme Ergonomie.

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Der GRX Flatmount-Bremskörper gepaart mit einer 160 mm Bremsscheibe.

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Mein Cockpit mit Zipp Lenker und Vorbau.

Im Gelände

Gespannt war ich auf die erste Ausfahrt mit meinem neuen Sportgerät. Kaum sass ich darauf hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Es fühlte sich gut an und das typische Fahrverhalten von früher war auch sofort wieder präsent. Es macht einfach Spass, wenn man mit Vollgas über die Schotterwege heizt, durch tiefen Boden pflügt und genügend Grip hat, um auch einfache Singletrails zu fahren.

Seit ich das Solo besitze, herrscht in der Schweiz ein strenger Winter... Bei authentischen Cyclocross Verhältnissen habe ich meine ersten knapp 1'000 Kilometer nur im Dreck, Schlamm und Schnee zurückgelegt. Das ist zwar lustig, trotzdem freue ich mich bereits, das Velo auch bei trockenen und warmen Bedingungen ausfahren zu können.

Der Aluminium-Rahmen ist gewohnt hart und gibt die Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter. Aber genau das macht den Reiz aus, jede Lenkbewegung und jeder Antritt wird direkt umgesetzt. Die Geometrie ist ausgewogen, der flache Steuerwinkel und der lange Radstand sorgen für Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten. Die Sitzposition ist trotz meinem 100 mm Vorbau immer noch angenehm, auch längere Touren sind ohne Genickstarre möglich.

Die GRX-Hebel sind ergonomisch geformt und liegen in jeder Griffposition gut in der Hand. Die Gangwechsel funktionieren knackig und dank dem Einfach-Antrieb hat man immer die richtigen Gänge bereit. Die Bremsen sind genügend stark, um auch bei steilen und unruhigen Abfahrten die nötige Sicherheit zu bieten.

Meine 1:1 Übersetzung mit der kleineren 11-40 Kassette und dem 40er Kettenblatt funktioniert mit meinen starken Beinen ganz gut. Ich habe nun schon mehrere Touren mit vielen Höhenmetern und steilen Rampen gefahren, es war alles machbar. Aber wie beim Mountainbike, ist auch hier der Einfach-Antrieb eine Kompromisssache. Auf einer abfallenden Strasse sind die Gänge zu klein, um wirklich schnell fahren zu können. Und wer gerne über Hügel und Berge fährt, der sollte sich besser die grössere 11-46 Kassette montieren.

Ein Kritikpunkt gibt es für der Zugverlegung vom Lenker ins Unterrohr. Obwohl ich die Kabel auf das Minimum gekürzt habe, sind sie immer wieder im Weg, wenn man den Oberlenker greift oder im Wiegetritt fährt. Hier müsste die Rahmenbohrung an einem anderen Ort platziert werden.

Die Pirelli Reifen fahre ich mit 2,0 bar und sie bieten ordentlich Grip auf rutschigem Boden. Trotz tiefem Luftdruck und viel Profil rollen sie erstaunlich leichtgängig. Damit kann man auch mal längere Abschnitte auf der Strasse fahren und kommt zügig vorwärts.

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Auch ohne Federung geht es locker über Stufen und Wurzeln.

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Tiefflug! Die GRX Bremsen sind gut dosierbar und sorgen für Sicherheit.

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Kurze Rampensprints, das Solo geht gut vorwärts.

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Kritikpunkt Zugverlegung: Mit dem Knie berührt man im Wiegetritt die Kabel...

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Die Pirelli Reifen und Easton Räder pflügen zuverlässig durch den tiefen Boden.

Bei allen meinen bisherigen Ausfahrten hatte ich unglaublich viel Freude. So ein Gravelbike ist die pure Freiheit! Es geht hier nicht um schneller, höher, weiter und radikaler. Auch Strava Bestzeiten werden damit nicht geknackt. Es ist dieses stressfreie Cruisen durch die Natur, was ja die eigentliche Schönheit vom Radsport ausmacht. Ich habe ganz viele neue Wege und Dinge rund um mein Zuhause entdeckt, welchen ich bis jetzt gar keine Beachtung schenkte. Und man erlebt keine Konfliktsituationen wie beim Mountainbike und Rennrad, da man anderen Leuten gezielt aus dem Weg gehen kann. Zudem sind Gravel Bikes sehr wartungsarm und günstig im Unterhalt. Ab und zu putzen und die Kette ölen reichen und man ist wieder bereit für das nächste Abenteuer.

Im Nachhinein betrachtet war es ein Fehler, dass ich so lange mit dem Kauf für ein neues Gravelbike zugewartet habe. Aber jetzt bin ich ja zum Glück wieder dabei!

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Über einfache Trails cruisen macht unglaublich viel Spass.

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Gravel heisst wortwörtlich übersetzt eigentlich Schlamm... ;-)

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Das Solo funktioniert auch im Schnee.

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Das ist die pure Freiheit!

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Endlich mal schönes Wetter! Unterwegs auf den legendären Strade Bianche.

Mittlerweile bin ich mit dem Rocky Mountain Solo sogar mein ersten Gravelrennen gefahren. Ich bestritt das Gravel Race in Bern über eine Distanz von 50 km und knapp 1000 hm und holte mir den 3. Rang in meiner Alterskategorie! Man kann mit dem Solo richtig schnell fahren! In diesem Blogbeitrag kannst du den Rennbericht nachlesen.

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Mit Vollgas in Richtung Podium am Gravel Race in Bern.

Fazit:

Das Rocky Mountain Solo 50 ist ein gelungenes Gravelbike für alle, die ein möglichst vielseitig einsetzbares Fahrrad suchen. Es ist die perfekte Ergänzung zu einem Mountainbike und/oder Rennrad, welches aber stressfreier bewegt werden kann und einfach glücklich macht. Ob es zum Bikepacking geeignet ist, das müssen die Spezialisten entscheiden. Ich habe mir mit meiner Cyclocross-Version einen schnellen Flitzer zusammengestellt, der mich hoffentlich viele Jahre zuverlässig begleiten wird. Love the ride!

Positiv:

+ schön verarbeiteter Rahmen
+ solide Ausstattung
+ viele Aufnahmen für Gepäck- und Flaschenhalter
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Negativ:

- sehr schwere Laufräder

Preis:

CHF 2'299.00

Informationen:

Rocky Mountain
CHRIS sports

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Love the ride!